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Corpus der barocken Deckenmalerei
in Deutschland (CbDD)

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Frank Büttner: Ein Nachruf des Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland trauern um ihren Mentor und unermüdlichen Förderer

Professor Dr. Frank Büttner

* 26. Juli 1944
† 14. Mai 2016

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Zur Bibliographie seiner Schriften zur Malerei der Frühen Neuzeit, der Renaissance und des Barock (PDF)

Frank Büttner, langjähriger Leiter und Herausgeber des Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, war nach Stationen in Würzburg und Kiel von 1994–2009 o. Professor für Kunstgeschichte mit besonderer Berücksichtigung der Kunstgeschichte Bayerns am Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München. 2006 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt. Ebenfalls seit 2006 stand er als Präsident der in diesem Jahr gegründeten Forschergruppe Baroque Ceiling Painting in Central Europe vor.

Am Münchner Institut übernahm Frank Büttner das von seinem Vorgänger, Prof. Dr. Hermann Bauer, sowie Prof. Dr. Bernhard Rupprecht gegründete Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland ab 1994. Er gab 1998–2010 die Bände 6–15 heraus und führte das Corpus für den bedeutenden Bestand der Deckenmalereien in Oberbayern zu einem erfolgreichen Abschluss. Sein Streben galt daraufhin einer Weiterführung des Projekts, damit die von Anfang an angelegte Perspektive einer Erfassung der barocken Deckenmalerei in ganz Deutschland in Erfüllung gehen könne. Dies gelang mit der Bewilligung eines neuen Corpus-Projekts im Akademienprogramm der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, das Frank Büttner 2012 zusammen mit seinem Nachfolger, Prof. Dr. Stephan Hoppe, sowie Prof. Dr. Hubert Locher und Dr. Christian Bracht vom Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg beantragt hatte.

Das neue Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland nahm am 1.4.2015 seine Arbeit auf, mit zwei Arbeitsstellen an der Ludwig Maximilians-Universität in München und an der Philipps-Universität in Marburg sowie einer geplanten Gesamtlaufzeit von 25 Jahren. Es ist die Krönung im Lebenswerk Frank Büttners. Er hatte 2015 den Vorsitz in der zuständigen Kommission, nach der kürzlich erfolgten Neustrukturierung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften im Projektbeirat „Kunsthistorische Forschung“ übernommen.

Seit Beginn seiner akademischen Laufbahn legte Frank Büttner die Grundlagen für neue Zugänge zur Erforschung der barocken und frühneuzeitlichen Wand- und Deckenmalerei. Schon 1980 veröffentlichte er eine maßgebliche Monographie zu den Fresken Giovanni Battista Tiepolos in der Würzburger Residenz. Das Werk Tiepolos oder auch Cosmas Damian Asams beschäftigte ihn immer wieder. Vor allem aber galt sein Nachdenken grundsätzlichen Fragen zur Malerei der Frühen Neuzeit: der Ikonographie und Typologie, der Bedeutung von Rhetorik und Zeremoniell für die Argumentationsstrategien von Bildwerken, der ästhetischen Illusion und ihrer Rezeption, dem Kulturtransfer zwischen Bayern und Italien oder dem Einfluss der Aufklärung auf die Wandlung der Bildkonzepte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Ein zentrales Thema von Frank Büttners Forschungen war die Wechselwirkung zwischen der Entwicklung der Optik, der Perspektive und der Wahrnehmung von Bildern durch den Betrachter. Diesen Fragen an der Schnittstelle zwischen Kunstgeschichte und Wissenschaftsgeschichte konnte Frank Büttner als Projektleiter für das Teilprojekt „Formen und  Funktionen des Bildes in der Frühen Neuzeit“ im Sonderforschungsbereich 573 „Pluralisierung und Autorität in der Frühen Neuzeit. 15.–17. Jahrhundert“ an der LMU München unter den Aspekten „Wahrnehmung der Wirklichkeit – Visualisierung des Wissens“ (2004-2007) sowie „Novità: Verwandlung des Alten – Hervorbringung des Neuen“ (2008–2011, zusammen mit Ulrich Pfisterer als Ko-Projektleiter) einen größeren, interdisziplinären Rahmen geben. Daraus ging u.a. Büttners Monographie „Giotto und die Ursprünge der neuzeitlichen Bildauffassung. Die Malerei und die Wissenschaft vom Sehen in Italien um 1300“ (2013) hervor.

Darüber hinaus vermittelte  Frank Büttner in mehreren Publikationen, die längst zu Standardwerken avanciert sind, sein umfassendes Wissen  auch einem breiteren Publikum, so in dem zusammen mit Meinrad von Engelberg, Stephan Hoppe und Eckhard Hollmann herausgegebenen Band über Barock und Rokoko in der Reihe „Geschichte der bildenden Kunst in Deutschland“ (2008) oder den zusammen mit Andrea Gottdang verfassten Einführungen in die Malerei (2012) sowie in die Ikonographie (2006, Neuauflage 2013).

Mit seinen zahlreichen Schriften gab Frank Büttner den Forschungen zur architekturgebundenen Malerei vom späten Mittelalter über die Renaissance bis zum Barock – ganz abgesehen von seinem zweiten großen Schwerpunkt, der Malerei des 19. Jahrhunderts – unverzichtbare Impulse. Es ist nun die Aufgabe des neuen Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, auf den Anregungen Frank Büttners aufzubauen und sein Werk fortzuführen. Wir, das Team des Corpus Deckenmalerei, werden Frank Büttner als unseren Mentor und Spiritus rector bleibend in Erinnerung behalten. Als Mensch, Kollege und Lehrer fehlt er uns mit seinem immer für neue Fragen offenen, fördernden und fordernden Geist.

Prof. Dr. Stephan Hoppe, München
Prof. Dr. Hubert Locher, Marburg
Prof. Dr. Andrea Gottdang, Salzburg
Prof. Dr. Ferdinand Kramer, München
PD Dr. Ute Engel, München
Dr. Christian Bracht, Marburg
Dr. Angelika Dreyer, München
Dr. Heiko Laß, München
Dr. Susan Tipton, München
Franziska Kaiser M.A., München
Katrina Weißer M.A., München
Almut Berchtold M. A., Marburg
Michael Buchkremer M. A., Marburg
Susanne Dörler M. A., Marburg
Wiebke Hoffmann M.A., Marburg
Werner Köhler M.A., Marburg