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Corpus der barocken Deckenmalerei
in Deutschland (CbDD)

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Startschuss für das neue Forschungsprojekt am 3. Februar 2016

Rund 400 Besucher haben am Mittwoch, den 3. Februar 2015, im vollbesetzten Plenarsaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften die Präsentation des neuen Forschungsprojektes Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland (CbDD) verfolgt. Der Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Prof. Dr. Karl-Heinz Hoffmann, und der Projektleiter, Prof. Dr. Stephan Hoppe, eröffneten die Veranstaltung. Vertreter der beiden Arbeitsstellen, die in dem Projekt kooperieren, stellten sich vor: vom Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität in München und dem Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte ̶ Bildarchiv Foto Marburg der Philipps-Universität Marburg. Musik und Tanz des Barock umrahmten die Präsentation, aufgeführt von dem Ensemble Palestra München unter der Leitung von Michael Eberth und La Danza München unter der Leitung von Jadwiga Nowaczek.

Das Forscherteam im Gespräch

Akademiepräsident Prof. Dr. Karl-Heinz Hoffmann, der Projektleiter Prof. Dr. Stephan Hoppe und die Projektkoordinatorin PD Dr. Ute Engel im Gespräch mit der Präsidentin der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Katharina Krause.

Prof. Dr. Hubert Locher, Direktor des Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte - Bildarchiv Foto Marburg, und Werner Köhler M.A. (IT-Mitarbeiter der Projekts in Marburg) im Gespräch mit Prof. Dr. Katharina Krause (Universität Marburg) und Prof. Dr. Andrea Gottdang (Universität Salzburg).

Begrüßungskommittee: Dr. Heiko Laß und Dr. Angelika Dreyer (wiss. Mitarbeiter der Arbeitsstelle München) mit Gästen

IT-Experten unter sich: Werner Köhler M. A. (Marburg) und Dr. Eckhart Arnold (BAdW), im Hintergrund Dr. Christian Bracht (Direktor des Deutschen Dokumentationszentrums für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg).

Die Rednerinnen und Redner des Abends

Akademiepräsident Prof. Dr. Karl-Heinz Hoffmann begrüßte den Beschluss der gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK), die wissenschaftliche Dokumentation und kunsthistorische Analyse der barocken Deckenmalerei in Deutschland ab 2015 mit rund 16 Mio. Euro im Akademienprogramm zu fördern. Das Projekt hat eine Laufzeit von 25 Jahren und wird von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften betreut.

Prof. Dr. Martin Zimmermann, Dekan der Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität, betonte in seinem Grußwort die Bedeutung der Vermittlung von Geschichte und Geschichten durch Bilder; insbesondere mit Blick auf ein junges Publikum, dem das Wissen um die Inhalte und den historischen Kontext von Bildern zunehmend verloren gehe.

Die Präsidentin der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Katharina Krause, nutzte im Anschluss „als Alumna der Ludwig-Maximilians-Universität und Kunsthistorikerin“ die Gelegenheit zu einem Blick zurück auf die Geschichte der Kunst und der Deckenmalerei vor dem Zeitalter der Aufklärung. Sie stellte die Potentiale der Zusammenarbeit zwischen den Universitäten Marburg und München sowie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften heraus.

Projektleiter Prof. Dr. Stephan Hoppe erläuterte Genese, Struktur und Konzept des neuen Forschungsprojektes: Das Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland (CbDD) wird das gesamte Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland erschließen und geht dabei typologisch vor: Die rund 5.000 erhaltenen und verlorenen Denkmäler der Wand-und Deckenmalerei aus der Frühen Neuzeit, die im Zeitraum von ca. 1550 bis 1800 entstanden, werden in vier Modulen bearbeitet: I. Höfe, Schlösser und Residenzen; II. Kommunale und private, adelige und bürgerliche Bildwelten; III. Klöster, Stifte und Kathedralen; IV. Pfarrkirchen, Wallfahrtskirchen und Kapellen. Die Ergebnisse des neuen Corpus sollen nicht mehr in Buchform, sondern über ein digitales Portal der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Sinnstiftungen – Das Medium Deckenmalerei lautete programmatisch der Titel der anschließenden Einführung in die kunst- und kulturgeschichtlichen Aspekte des Themas. Prof. Dr. Andrea Gottdang (Universität Salzburg) vertrat an dieser Stelle den Initiator des Projekts, Prof. emer. Dr. Frank Büttner, der aus gesundheitlichen Gründen verhindert war. Anhand eines herausragenden Meisterwerks der Deckenmalerei – den Fresken von Giambattista Tiepolo und Johann Zick in der Würzburger Residenz – erläuterte sie die zeitgenössischen Lesarten und die sinnstiftende Funktion der barocken Decken- und Wandmalerei für die Gestaltung frühneuzeitlicher Innenräume.

Prof. Dr. Hubert Locher, Direktor des Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg und Leiter der Arbeitsstelle Marburg, gab einen Einblick in die früheren Arbeitsweisen der fotografischen Dokumentation im Vergleich zu den neuen Möglichkeiten der digitalen Fotografie. Hier eröffnen sich neuen Perspektiven für die Erschließung der architekturgebundenen Malerei der Frühen Neuzeit: ein Desideratum in der Bild-Datenbank des Bildarchivs Foto Marburg und die Grundlage für zukünftige Forschergenerationen.

Einblick in Aktuelle Forschungen zur Deckenmalerei in Deutschland boten die drei Fallstudien der wissenschaftlichen Mitarbeiter des neuen Corpus-Projektes, die sich in der ersten Projektphase mit den Residenzschlössern der großen Kurfürsten beschäftigen. PD Dr. Ute Engel, Leiterin der Arbeitsstelle München und Projektkoordinatorin (LMU München) informierte über ein Pilotprojekt in der Bamberger Residenz und neue Ansätze für die Erforschung der Ausstattung in den Bauprojekten des Fürstbischofs, Kurfürsten und Reichserzkanzlers Lothar Franz von Schönborn in Bamberg und Mainz.

Dr. Angelika Dreyer (LMU München) berichtete über die verlorenen Deckenmalereien des zerstörten Berliner Stadtschlosses anhand historischer Fotografien und anderer Bildquellen. Der bereits vom Großen Kurfürsten eingeleitete Aufstieg des Hauses Hohenzollern war unter seinen 1701 zu Königen erhobenen Nachfolgern begleitet vom Einsatz die Deckenmalerei als wichtigem Medium für die Visualisierung fürstlicher Magnifizenz.

Dr. Heiko Laß (LMU München) stellte seine neuesten Forschungen zur malerischen Ausstattung des Schlosses Herrenhausen in Hannover vor, von dem einzig der fast vollständig mit Wandmalereien ausgeführte Galerietrakt als Teil eines nicht realisierten Schlossbauprojekts von Kurfürst Ernst August von Hannover bis 1698 realisiert wurde: ein von der Forschung bisher noch wenig beachteter Schatz barocker Deckenmalerei in Niedersachsen.

Der Kulturinformatiker Werner Köhler M. A. (Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte ̶ Bildarchiv Foto Marburg) präsentierte die wissenschaftliche Kommunikationsinfrastruktur „WIssKI“ als neue digitale Forschungsplattform für das Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland.

Zum Abschluss bot der Projektleiter, Prof. Dr. Stephan Hoppe, einen Ausblick auf das Thema „Deckenmalerei und das digitiale Bild der Zukunft“. Die Dokumentation des Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland (CbDD) setzt auf innovative Technologien in der digitalen Fotografie und 3D Visualisierung. Auf diese Weise soll die kunsthistorische Barockforschung in Zukunft noch stärker von den Potentialen der digitalen Geisteswissenschaften profitieren können.

Musikalische Umrahmung

Die musikalische Umrahmung gestalteten das Ensemble Palestra München unter der Leitung von Michael Eberth sowie La Danza München, geleitet von Jadwiga Nowaczek, mit Lehrenden und Studierenden der Hochschule für Musik München, weiteren Ensemblemitgliedern und Gästen. Zur Aufführung kamen Werke von Giuseppe Antonio Bernabei (ca. 1649 ̶ 1732), darunter Diana amante (Uraufführung 1688 im Georgisaal der Münchner Residenz), Henry Purcell (1659 ̶ 1695) und Melchior D’Ardespin (1643 ̶ 1717).

Tänzer der Gruppe La Danza München

Gäste der Projektpräsentation

©Bildarchiv Foto Marburg, Foto: Thomas Scheidt (CbDD) und

©BAdW, Foto: Janina Amendt