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Corpus der barocken Deckenmalerei
in Deutschland (CbDD)

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Dissertationsprojekt:

Christina Oertel-Pohl M.A.

Das Ornament als Medium fürstlicher Selbstdarstellung:
Die Dekoration der Paradekammern im Berliner Schloss 1698-1706 (AT)

Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldtforum lässt die Forschung zum alten Zentrum Berlins erneut und umfangreicher denn je wieder aufleben. Dabei war die Residenz kein einheitlicher Bau, sondern ein über Jahrhunderte gewachsenes Konglomerat und vereinigte die Ideen und Ansprüche verschiedener Herrscher.

Als der brandenburgische Kurfürst Friedrich III. 1698 seine Verhandlungen mit dem Kaiser zur Erlangung der Königswürde wieder aufnahm, war er sich bewusst, diesen Status auch mit einer angemessenen Residenz untermauern zu müssen. Die neu gebauten Paradekammern im Berliner Schloss galten als selbstbewusster Ausdruck dieser Haltung und waren vom Schlossbaumeister und Architekten Andreas Schlüter in üppiger Weise erdacht und dekoriert worden.
Verschiedene Forschungen zu Schlüters Tätigkeit als Bildhauer und Architekt haben in den vergangenen Jahren gezeigt, wie umfangreich und komplex sein Wirken am Schloss, sowohl im Außen- als auch im Innenraum war. Die Arbeiten von Wiesinger, Peschken und Hinterkeuser stellten dabei die Grundlage für weitere Fragestellungen. So sind in den letzten Jahren Publikationen zu speziellen Themen wie bildlicher und textiler Ausstattung erschienen.  Die angestrebte Arbeit macht sich nun zum Ziel, anhand von erhalten Bild-und Schriftquellen die ornamentale Gestaltung der Paradekammern zu untersuchen.

Es soll dabei verschiedener Fragen nachgegangen werden. Zum einen wird die Situierung beziehungsweise die Einordnung der Ornamente im Zusammenspiel mit anderen Kunstgattungen zu analysieren sein. Wieviel Raum nahmen sie auf Wand und Decke ein und inwieweit lässt sich eine Hierarchie innerhalb des Bauschmucks feststellen? Gab es immer wiederkehrende Ornamente und wenn ja; an welcher Stelle innerhalb des Raumgefüges traten diese auf? Zum anderen spielt die Wechselwirkung mit zeremoniellen und politischen Handlungen eine Rolle. Die physische und stilistische Verortung möglicher Stilvorlagen und die Recherche zu Parallelen an anderen europäischen Höfen sollen helfen, die Entwürfe Schlüters auch im politischen Raum einzuordnen. Es wird untersucht, ob seine Gestaltung sich zur Aufgabe nahm, dynastische Beziehungen oder politische Konkurrenzen bildlich fassbar zu machen. Gleichzeitig wird eruiert, ob und inwiefern sich der angestrebte und erreichte Aufstieg von einem Kurfürst zum König in den Ornamenten widerspiegelt.
Ein weiteres Augenmerk der Arbeit liegt auf der Frage nach Schlüters Arbeitsweise. Gerade im Hinblick auf seine vielfältigen Tätigkeiten als Schlossbaumeister, Bildhauer und leitender Architekt muss der Frage nachgegangen werden, wie die Innenräume praktisch ausgestaltet wurden. Der völlige Verlust von Zeichnungen Schlüters in diesem Bereich erschwert zwar die Rekonstruierung, eventuell können aber Rechnungen und Mitarbeiterlisten Aufschluss über eine Arbeitsteilung geben. Daraus ließe sich die Frage nach einem möglichen Kreis oder einer Werkstatt Schlüters ableiten.
Am Ende der Arbeit soll ein weiterer Beitrag im Kontext der kunsthistorischen Betrachtungen zum ehemaligen Berliner Schloss stehen, mit dessen Hilfe die Spezifika dieses verlorenen Baus verständlich werden.